Die meisten Betriebe führen eine betriebliche Krankenversicherung nicht ein, weil sie dagegen wären — sondern weil das Thema nie auf den Tisch kam. Wer den Arbeitgeber vorbereitet darauf ansprechen kann, verändert das häufiger, als man denkt.
Vorher: die Ausgangslage verstehen
Für die Geschäftsführung ist das keine Gesundheitsfrage, sondern eine betriebswirtschaftliche. Sie wird drei Dinge wissen wollen: was es kostet, was es bringt und was es an Arbeit macht. Wer darauf Antworten mitbringt, wird anders gehört als jemand, der einen Wunsch äußert.
Die kurzen Antworten: Marktüblich sind 20 bis 100 Euro je Person und Monat. Bis 50 Euro monatlich fallen weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben an, und für den Betrieb sind die Beiträge Betriebsausgabe. Der Aufwand bleibt bei einem Vertrag, einer Rechnung und einer Position in der Lohnabrechnung.
Die drei Argumente, die tatsächlich ziehen
1. Bessere Wirkung als eine Lohnerhöhung gleicher Höhe. 40 Euro als bKV kommen als 40 Euro Gegenwert an. 40 Euro brutto mehr im Monat kosten den Betrieb zusätzlich Arbeitgeberanteile — und beim Beschäftigten bleibt nach Abzügen oft rund die Hälfte. Das ist kein Argument gegen Gehalt, aber eines für den Wirkungsgrad.
2. Wettbewerb um Fachkräfte. Eine bKV steht in der Stellenanzeige und lässt sich beziffern. Wenn Mitbewerber im Umkreis eine haben und der eigene Betrieb nicht, ist das ein konkreter Nachteil — und er lässt sich leicht recherchieren, bevor man ins Gespräch geht.
3. Es hilft denen, die es sonst nicht bekommen. Kolleginnen und Kollegen mit Vorerkrankung bekommen privat keine bezahlbare Zusatzversicherung. Über den Betrieb schon. Dieses Argument wirkt, weil es nicht nach Eigennutz klingt — und weil es stimmt.
Der richtige Zeitpunkt
Nicht in der Gehaltsverhandlung. Dort konkurriert das Thema mit Ihrer eigenen Erhöhung und verliert.
Gute Gelegenheiten: das Jahresgespräch, wenn nach Verbesserungsvorschlägen gefragt wird; eine Betriebsversammlung; der Moment, in dem eine Stelle länger unbesetzt bleibt; oder die Phase der Budgetplanung fürs kommende Jahr — meist im Herbst.
Ein Gesprächsleitfaden
„Ich habe mir angesehen, was andere Betriebe in unserer Branche als Zusatzleistung anbieten. Eine betriebliche Krankenversicherung kostet je nach Budget zwischen 20 und 100 Euro pro Person im Monat, ist bis 50 Euro steuer- und abgabenfrei und für den Betrieb Betriebsausgabe. Der Aufwand ist ein Vertrag und eine Position in der Lohnabrechnung. Wäre das etwas, das wir uns einmal rechnen lassen könnten?”
Drei Dinge macht dieser Einstieg richtig: Er kommt mit Zahlen statt mit einem Wunsch, er nennt den Aufwand von sich aus, und er endet mit einer kleinen Bitte — „einmal rechnen lassen” ist eine niedrigere Hürde als „einführen”.
Wenn Sie nicht allein dastehen wollen: Sprechen Sie vorher mit zwei, drei Kolleginnen und Kollegen. Ein Anliegen, das mehrere teilen, wirkt anders als ein Einzelwunsch — ohne dass es nach Forderung aussehen muss.
Typische Einwände und wie man ihnen begegnet
„Das können wir uns nicht leisten.” Dann fragen Sie nach der kleinsten Variante. Ein 300-Euro-Jahresbudget ist am unteren Ende der Spanne zu haben und immer noch mehr als nichts. Nach oben lässt sich später anpassen.
„Dann wollen alle etwas anderes.” Genau deshalb gibt es Budgettarife: Jede und jeder setzt den Betrag dort ein, wo es persönlich passt.
„Das ist zu viel Verwaltung.” Ein Rahmenvertrag, eine Sammelrechnung, eine Lohnart. Die Abwicklung der Leistungsfälle läuft zwischen Versicherer und versicherter Person — die Personalabteilung ist damit nicht befasst.
„Wir zahlen lieber mehr Gehalt.” Beides ist richtig, und beides zusammen ist am besten. Der Unterschied: Von 40 Euro brutto bleiben nach Abzügen oft rund 20 — von 40 Euro bKV bleiben 40.
„Und wenn wir das später wieder streichen wollen?” Mit einem Freiwilligkeitsvorbehalt in der Versorgungsordnung bleibt die Leistung widerruflich. Das ist Standard und beruhigt Geschäftsführungen, die eine dauerhafte Bindung fürchten.
Auf einen Blick
- Mit Zahlen ins Gespräch gehen, nicht mit einem Wunsch
- Zeitpunkt: Jahresgespräch oder Budgetplanung, nicht die Gehaltsverhandlung
- Drei Argumente: Wirkungsgrad, Fachkräftewettbewerb, Zugang trotz Vorerkrankung
- Aufwand von sich aus ansprechen — das nimmt den größten Einwand vorweg
- Klein anfangen ist besser als gar nicht anfangen
- Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen wirkt es stärker
FAQ
Kann ich als Mitarbeiter eine bKV einfordern?
Einen Anspruch gibt es nicht — es ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Vorschlagen darf sie jede und jeder, und genau daraus entstehen viele Einführungen.
An wen wende ich mich?
An die Geschäftsführung oder die Personalleitung. Gibt es einen Betriebsrat, ist er der natürliche Verbündete — Ausgestaltung und Verteilung solcher Leistungen sind mitbestimmt.
Wirkt es unverschämt, so etwas vorzuschlagen?
Nicht, wenn Sie es als Vorschlag im Interesse des Betriebs formulieren und die Kosten selbst ansprechen. Verbesserungsvorschläge sind erwünscht — die meisten Betriebe wissen schlicht nicht, dass es das gibt.
Können Sie mit meinem Arbeitgeber sprechen?
Ja. Wenn Sie möchten, treten wir direkt an Ihre Geschäftsführung heran und legen ein unverbindliches Angebot vor — Sie bleiben dabei außen vor.
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Fachlich geprüft am 12.08.2026. Gesetzliche Angaben wurden gegen den amtlichen Volltext auf gesetze-im-internet.de verifiziert.